Was bedeutet Masse im fahrbreiten Zustand?

Wohnmobil mit Stützen zum wiegen des Wohnmobils

Die Masse im fahrbereiten Zustand setzt sich aus folgenden Punkten zusammen:

  • Leergewicht des Wohnmobils
  • 100 % gefüllter Frischwassertank
  • 100 % gefüllte Gasflasche
  • 90% gefüllter Kraftstofftank
  • Eine Person mit 75 kg
  • Bordwerkzeug
Die gesetzlich zulässige Toleranz für die Angabe der Masse im fahrbreiten Zustand bei Wohnmobilen beträgt ± 5 %. Durch diese Toleranz sollen Gewichtsschwankungen bei Zulieferteilen oder anderen Prozessen ausgeglichen werden.

Leergewicht des Wohnmobils

Im Leergewicht sind alle Betriebsstoffe wie Schmierfette, Öle und Kühlflüssigkeiten enthalten. Es bezieht sich auf das Wohnmobil inklusive des Aufbaus wie es serienmäßig vom Hersteller ausgeliefert wird. Dies bedeutet inklusive aller Ausstattungsmerkmale, die Werkseitig im Lieferumfang enthalten sind. Alle Zusatzausstattungen die auf Wunsch eines Kunden verbaut werden, beeinflussen die Masse im fahrbereiten Zustand.

100 % gefüllter Frischwassertank

Viele Wohnmobile verfügen über einen Frischwassertank mit 100 Liter oder mehr Fassungsvermögen. Um hier Gewicht bei der Angabe der Masse im fahrbereiten Zustand einzusparen berechnen viele Hersteller bei dieser Angabe nur die sogenannte Fahrbefüllung des Frischwassertanks. Diese liegt meist bei nur 20 Liter.

100 % gefüllte Gasflasche

Das Gewicht einer zu 100% gefüllten Gasflasche wird in der Regel auf Basis einer Aluflasche berücksichtigt. Am Beispiel einer Gasflasche mit 11 kg Fassungsvermögen setzt sich das Gewicht der gefüllten Flasche zusammen aus dem Leergewicht der Gasflasche (circa 5,3 kg) und der Füllung (11 kg). Daraus ergibt sich ein Gewicht von rund 16 kg. Eine Stahlflasche mit 11 kg Fassungsvermögen wiegt leer 12,5 kg. Wird also eine Stahlflasche verwendet steigt die Masse im fahrbereiten Zustand um rund 7 kg.

90% gefüllter Kraftstofftank

Die meisten Basisfahrzeuge, die zum Aufbau eines Wohnmobils verwendet werden, bieten ab Werk unterschiedliche Größen des Kraftstofftanks an. Wird ein Fahrzeug Werkseitig beispielsweise nur mit einem 60 Liter Kraftstofftank angeboten werden nur 54 Liter bei der Angabe der Masse im fahrbereiten Zustand berücksichtigt. Wünscht ein Käufer eines entsprechenden Wohnmobils einen größeren Kraftstofftank nimmt auch dies Einfluss auf die Masse im fahrbereiten Zustand.

Eine Person mit 75 kg

Dieser Wert repräsentiert das Gewicht des Fahrers. Unabhängig vom tatsächlichen Gewicht des Fahrers, wird dieser Wert nach EU-Norm, bei der Angabe der Masse im fahrbereiten Zustand, pauschal mit 75 kg berücksichtigt.

Bordwerkzeug

Zum Bordwerkzeug gehören, wenn vorhanden, das Ersatzrad, oder ein Reifen-Pannenset und das entsprechende Werkzeug um im Fall einer Panne den beschädigten Reifen zu wechseln oder zu reparieren.

Warum ist die Masse im fahrbereiten Zustand so wichtig?

Für viele Wohnmobilfahrer ist es wichtig das maximale Gewicht von 3.500 kg nicht zu überschreiten. Der Gründe dafür sind, dass man mit einem PKW Führerschein, der nach 1999 erlangt wurde, nur noch Fahrzeuge bis 3.500 kg führen darf.

Abbildung eines alten rosafarbenen Führerscheins

Sicherlich gibt es noch viele Wohnmobilisten, die den Führerschein vor 1999 absolviert haben. Diese dürfen Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen führen. Jedoch sind nach der Straßenverkehrsordnung Fahrzeuge über 3,5 Tonnen rechtlich als LKW eingeordnet und unterliegen damit auch den Richtlinien für LKW.

Dies beinhaltet insbesondere die maximale Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen und auf der Landstraße.

Überladen des Wohnmobils

Unabhängig von der Erlaubnis ein Wohnmobil über 3,5 Tonnen führen zu dürfen, gilt es automatisch als Überladen, wenn das maximal zugelassene Gewicht von 3.500 kg überschritten wird.

Und hier beginnen die Probleme für Wohnmobilfahrer.

Die folgende Beispielrechnung soll zeigen wie schnell eine Überladung eines Wohnmobils erreicht ist.

Ist ein Wohnmobil mit beispielsweise 3.000 kg Masse im fahrbereiten Zustand angegeben, so kann dieser Wert nach EU Norm um 150 kg (5%) schwanken. Dies bedeutet, dass der Wert zwischen 2.850 und 3.150 kg liegen kann. Angenommen das Wohnmobil verfügt über die Serienausstattung hinaus über Sonderausstattungen mit einem Gewicht von 100 kg, die sehr schnell erreicht werden können. Außerdem wiegt der reale Fahrer nicht 75 kg sondern 100kg. Die Mitreisende Person wiegt 80 kg.

Das Zubehör, welches für die Reise benötigt wird, wie Geschirr, Töpfe, Nahrungsmittel, Kleidung, Tisch und Stühle etc. wiegen 250 kg. Dann ergibt sich in der Summe ein Gesamtgewicht des Fahrzeugs von 3.605 kg. Damit ist das Fahrzeug um 105 kg überladen.

Konsequenzen der Überladung

Ein überladenes Fahrzeug verliert die Betriebserlaubnis. Zwar gibt es in Deutschland Toleranzgrenzen der Überladung die lediglich mit einem Bußgeld belegt werden, aber im Falle eines unverschuldeten Unfalls wird der Fahrzeugführer gegebenenfalls eine Mitschuld oder unter Umständen vielleicht sogar die volle Schuld tragen. Auch wird die Versicherung möglicherweise nicht oder nur zum Teil für Schäden aufkommen.

Ein Polizist der in einer Kontrolle ein Wohnmobil anhält

Da Wohnmobilfahrer aber auch gerne ins Ausland fahren, sollte man auch die Konsequenzen in dem jeweiligen Land kennen.

So ist man in Italien der Willkür des jeweiligen Beamten ausgesetzt. Er entscheidet vor Ort über die Höhe des Bußgeldes, welches auch direkt vor Ort beglichen werden muss. Die Spanne des Bußgeldes reicht von 60,- Euro bis 1.682,- Euro.

In Frankreich reicht das Bußgeld von 135,- Euro bis zu 750,- Euro. Jedoch kann auch eine sofortige Stilllegung des Wohnmobils drohen, wenn die Überladung mehr als 20% beträgt. Wird das zulässige Gesamtgewicht um mehr als 5% aber weniger als 20% überschritten, darf eine Weiterfahr erst erfolgen, wenn das Gewicht entsprechend reduziert wurde.

In Luxemburg reicht das Bußgeld für Überladung von 74,- Euro bis zu 5.000,- Euro oder sogar eine Freiheitsstrafe von acht Tagen bis hin zu einem Jahr jeweils für den Fahrer und den Halter. Außerdem kann ebenfalls das Wohnmobil still gelegt werden.

In Großbritannien kann das Bußgeld bis zu 6.000,- Euro betragen, in Spanien bis zu 4.600,- Euro.

Ein Fahrzeug überladen zu führen, was bei Wohnmobilen leider viel häufiger vorkommt als man denkt, ist eine sehr schlechte Idee.

Fazit

Die Masse im fahrbereiten Zustand ist ein wichtiger Faktor bei dem Kauf eines Wohnmobils. Lassen Sie sich genau berechnen wie schwer das Fahrzeug wird, wenn die jeweilige Sonderausstattung im Wohnmobil verbaut wurde. Berücksichtigen Sie die Toleranzwerte.

Überlegen Sie genau welches Zubehör dauerhaft im Fahrzeug befördert wird. Werden zusätzlich Fahrräder oder E-Bikes mitgenommen? Wie viele Personen fahren letztendlich im Wohnmobil mit?

Versuchen Sie im Vorfeld ein realistisches Gewicht für alle Gegenstände und Personen zu ermitteln, welche bei einer Reise mit dem Wohnmobil das Gewicht des Fahrzeugs beeinflussen.

Sollte das zulässige Gesamtgewicht dann überschritten werden, bleibt oft nur eine Auflastung des Wohnmobils.


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